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1.3 Angekommen: Muneeb Ahmad "Zwischen zwei Kulturen - und ganz zu Hause"

1.3 Angekommen: Muneeb Ahmad
"Zwischen zwei Kulturen - und ganz zu Hause"

Wenn Muneeb im Wald spazieren geht, die Sonne durch die Bäume scheint und es still wird, kann er gut nachdenken.

"Dann schalte ich richtig ab", sagt der 18-Jährige.

Die Natur ist für ihn ein Rückzugsort. Einer von vielen in Wetzlar, das sein Zuhause ist.

Muneeb ist in Wetzlar geboren. Seine Eltern kamen vor rund 30 Jahren aus Pakistan nach Deutschland.

"Als die Zustände dort nicht mehr auszuhalten waren, haben sie sich entschieden zu gehen", erzählt er.

Die Eltern wollten für ihn und seine Geschwister ein besseres Leben.
Heute lebt noch ein Bruder in Wetzlar, die beiden Schwestern haben eigene Familien gegründet. Muneeb ist der Jüngste.

Zu Hause wird Urdu gesprochen, zumindest mit den Eltern. Untereinander reden die Geschwister Deutsch oder eine Mischung aus beidem. Sein Vater spricht gut Deutsch, seine Mutter hat bis heute Probleme damit, weil sie sich viele Jahre um die Kinder und den Haushalt gekümmert hat.

"Wir mischen einfach die Kulturen", sagt Muneeb und lächelt.

Die Musik, das Essen, die Traditionen - all das gehört für ihn zu seinem Leben in Deutschland.

"Wir wollen unsere Kultur beibehalten, auch wenn wir sehr gerne hier leben."

Die Geschichte der Eltern

Als Zehnjähriger war Muneeb zuletzt in Pakistan, um die dortige Familie zu besuchen. Er erinnert sich an große Hochzeiten und Freizeitparks - aber auch an Bilder, die Kinder eigentlich nicht sehen sollten.

"Es ist wie aus einer anderen Zeit dort", sagt er nachdenklich.

Viel Korruption, viel Unsicherheit, Umweltverschmutzung. Bis heute ist die politische Lage in Pakistan sehr angespannt. Seine Mutter ist in Sorge, telefoniert täglich mit ihrer Familie, die dort lebt. Die Familie überlegt, in diesem Jahr erneut zu reisen, um Verwandte zu besuchen, aber auch, um zu sehen, wie sich die Situation im Land entwickelt. Gemeinsam wollen sie diskutieren, ob die Familie mütterlicherseits auch nach Deutschland kommt.

Zukunft in den eigenen Händen

Muneeb besucht die Werner-von-Siemens-Berufsschule in Wetzlar und wird dort seinen Abschluss machen.

Er möchte eine Ausbildung machen, eventuell im Einzelhandel oder im Handwerk.

Praktika im Kfz-Bereich und in einem Sanitätshaus haben ihm gezeigt, wie viel Freude ihm der Kontakt mit Menschen bereitet.

"Kunden zu beraten und Hilfsmittel zu verkaufen, das hat mir sehr gefallen", sagt er.

Er könne sich sogar vorstellen, später eine eigene Firma zu gründen.

"Ich will selbst etwas in der Hand haben ."

Ein zweites Zuhause

Ein wichtiger Ort für Muneeb ist das Haus der Jugend in Wetzlar. Kennengelernt hat er es eher zufällig mit seiner Berufsschulklasse.

"Es hat mir sofort richtig gut gefallen."

Erst kam er mit Freunden, dann allein. Heute nennt er es sein "zweites Zuhause". Hier spielt er Spiele, am liebsten Billard, treibt Sport oder plant Ausflüge mit. Die Jugendlichen können eigene Ideen einbringen und mitgestalten.

"Das ist ein Ort, an dem ich Menschen treffe, die mich so akzeptieren, wie ich bin", sagt Muneeb.

"Im Haus der Jugend fühle ich mich echt wohl."

Früher kam er fast täglich und blieb bis zum Schluss. Heute besucht er das Haus vor allem an den Tagen mit den längsten Öffnungszeiten oder spontan, wenn Freunde da sind. Auch bei Hausaufgaben oder Bewerbungen erhält er Unterstützung.

"Wenn ich Hilfe brauche, ist immer jemand da."

Gerade in einer Phase, in der er sich in der Schule zunehmend zurückgezogen hatte, wurde das Jugendzentrum zu einem wichtigen Halt für ihn.

"In der Grundschule war noch alles gut", erzählt er.

Später habe er erlebt, wie sich manche Jugendlichen veränderten und sich gehen ließen. Für ihn war klar: Er wollte sich mit Menschen umgeben, die ihm guttun.

Wurzeln und Wege

Muneebs Mutter arbeitet in der Küche eines Altenheims, sein Vater fährt Taxi für ein Wetzlarer Unternehmen. Die Geschwister sind im Einzelhandel und im Gesundheitsbereich tätig. Die Familie ist angekommen - und gleichzeitig verbunden mit ihren Wurzeln. Wetzlar ist für Muneeb ein Ort mit vielen schönen Ecken, mit Natur, mit Möglichkeiten.

"Hier ist alles sauber, aufgeräumt", sagt er.

"Wir als Familie wollen zeigen, dass wir dazugehören."

Vielleicht gründet er eines Tages gemeinsam mit seinem Bruder ein Unternehmen - vielleicht im Taxigewerbe, vielleicht in einem ganz anderen Bereich.

"Wir wollen zeigen, dass auch zwei Brüder etwas zusammen starten können."

Wenn er durch den Wald geht, trägt er beides in sich: die Geschichte seiner Eltern und seine eigenen Pläne. Pakistan und Wetzlar. Und während die Sonne durch die Bäume fällt, wirkt es ganz selbstverständlich, dass all das zusammengehört.