2.8 Angekommen: Ahmed Jama Bullale "Sicherheit. Familie. Zukunft."
2.8 Angekommen: Ahmed Jama Bullale
"Sicherheit. Familie. Zukunft"
Ahmed Jama Bullale kommt aus Somalia. Er ist 30 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei Töchtern. Beide sind in Wetzlar geboren. Wenn er über sie spricht, verändert sich seine Stimme.
"Es ist ein großes Glück, ihnen hier eine Heimat geben zu können."
Wetzlar bedeutet für ihn Sicherheit.
Gemeinschaft. Ein neues Leben.
"Ich fühle mich angekommen und bin dankbar, Teil dieser vielfältigen Stadt zu sein."
Sein Weg in Deutschland
Ahmed war 16 Jahre alt, als er Somalia verließ.
"Es ging ums Überleben", sagt er ruhig.
Viel mehr muss er dazu nicht sagen. 2015 kam er nach Wetzlar. Sein somalischer Schulabschluss wurde nicht anerkannt. Also begann Ahmed von vorn. Abendschule in Gießen. Erst Hauptschulabschluss, dann Realschulabschluss. Parallel arbeitete er als Pflegehilfskraft.
"Ohne Schulabschluss kannst du in Deutschland wenig machen", sagt er. "Deshalb ist Schule wichtig."
Über 80 Bewerbungen schrieb er zunächst - meist ohne Antwort.
"Mein Name klingt ausländisch", sagt er offen.
Zwei Vorstellungsgespräche bekam er. Einer der Gesprächspartner sagte ihm ehrlich: Du bist ein toller Mensch, aber ohne Abschluss hast du keine Chance. Das war der Wendepunkt.
Seine Ausbildung konnte er in der Best Care-Residenz Am Solmsbach anfangen. "Nachdem ich viele Absagen für einen Ausbildungsplatz erhalten hatte, hat mir Frau Engel-Engelbrecht die Chance gegeben, meine Ausbildung zu beginnen," erzählt Ahmed dankbar.
Sechs Jahre dauerte sein Weg bis zur abgeschlossenen Ausbildung als Pflegefachmann. Heute arbeitet er mit Menschen - ein Beruf, den er liebt.
"Manchmal nervt es natürlich auch", sagt er lachend. "Aber das ist überall so."
Sprache ist der Schlüssel
Deutsch zu lernen war am Anfang schwer. Als Asylbewerber durfte er einen Kurs für Deutsch als Fremdsprache an der Volkshochschule besuchen. Viele Angebote wie heute gab es noch nicht.
Eine Nachbarin, die bei der Diakonie arbeitete, zeigte ihm Anlaufstellen in Wetzlar, vermittelte Kontakte.
"Sprache ist der Zugang zu allem", sagt Ahmed.
"Gerade wenn man Krieg erlebt hat, ist Integration schwer. Aber ohne Sprache geht es nicht."
Helfen, weil er selbst Hilfe bekam
Schon früh engagierte sich Ahmed ehrenamtlich als Übersetzer im Sozialamt - mit einer Mischung aus Deutsch und Englisch. Er reiste bis nach Braunschweig, um bei Übersetzungen zu helfen.
"Und dort war meine heutige Frau", erzählt er strahlend. "Die Liebe findet man überall."
Seine Frau zog 2017 zu Ahmed nach Wetzlar, besuchte Sprachkurse beim Internationalen Bund in Wetzlar. Seit 2020 arbeitet sie dort in der Kinderbetreuung und ermutigt andere Mütter mit Migrationserfahrung, ihren Weg zu gehen. Ahmed möchte etwas zurückgeben. Deshalb engagiert er sich seit 2025 im Verein SOKiS - Somalische Kultur, Integration & Soziales Lahn-Dill-Kreis.
"Viele junge Männer wissen nicht, wie das Leben hier funktioniert", sagt er.
Im Verein geht es um Sport, Beratung, Hilfe bei Formularen oder Rechnungen.
"So wie ich Hilfe bekommen habe, möchte ich heute helfen."
Mitgestalten statt nur mitlaufen
Ahmed ist seit März 2026 Teil des Ausländerbeirats der Stadt Wetzlar.
"Dort kann man etwas bewegen", sagt er überzeugt.
"Integration passiert nicht nur von einer Seite. Auch die Gesellschaft muss offen sein."
Er spricht offen über Alltagsrassismus. Darüber, dass auch seine Töchter ihn erleben.
"Das tut weh."
Gleichzeitig betont er: Begegnung kostet kein Geld. Ein freundliches Wort im Treppenhaus. Ein Gespräch beim Bäcker.
"Integration funktioniert nur von beiden Seiten."
Handeln statt warten
Was bei Ahmed besonders beeindruckt, ist seine Haltung. Schwierigkeiten gehören für ihn dazu - aber sie sind kein Grund, stehen zu bleiben.
Als sein Schulabschluss nicht anerkannt wurde, ging er zur Abendschule.
Als die Bewerbungen erfolglos blieben, schrieb er weiter.
Als er merkte, dass andere Unterstützung brauchen, gründete er einen Verein.
Als er sah, dass politische Entscheidungen wichtig sind, kandidierte er.
Er wartet nicht darauf, dass sich etwas ändert. Er kümmert sich. Er probiert aus. Er fragt nach.
"Wenn du den Willen hast, musst du es versuchen", sagt er. Praktika machen.
Menschen ansprechen. Nachbarn kennenlernen. Reden, reden, reden.
"Schreiben lernst du später. Aber sprechen musst du."
Wenn Ahmed von Wetzlar spricht, klingt das nicht wie Dankbarkeit aus Pflichtgefühl. Es klingt wie jemand, der angekommen ist, weil er selbst viel dafür getan hat.
"Sicherheit. Familie. Zukunft"
Ahmed Jama Bullale kommt aus Somalia. Er ist 30 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei Töchtern. Beide sind in Wetzlar geboren. Wenn er über sie spricht, verändert sich seine Stimme.
"Es ist ein großes Glück, ihnen hier eine Heimat geben zu können."
Wetzlar bedeutet für ihn Sicherheit.
Gemeinschaft. Ein neues Leben.
"Ich fühle mich angekommen und bin dankbar, Teil dieser vielfältigen Stadt zu sein."
Sein Weg in Deutschland
Ahmed war 16 Jahre alt, als er Somalia verließ.
"Es ging ums Überleben", sagt er ruhig.
Viel mehr muss er dazu nicht sagen. 2015 kam er nach Wetzlar. Sein somalischer Schulabschluss wurde nicht anerkannt. Also begann Ahmed von vorn. Abendschule in Gießen. Erst Hauptschulabschluss, dann Realschulabschluss. Parallel arbeitete er als Pflegehilfskraft.
"Ohne Schulabschluss kannst du in Deutschland wenig machen", sagt er. "Deshalb ist Schule wichtig."
Über 80 Bewerbungen schrieb er zunächst - meist ohne Antwort.
"Mein Name klingt ausländisch", sagt er offen.
Zwei Vorstellungsgespräche bekam er. Einer der Gesprächspartner sagte ihm ehrlich: Du bist ein toller Mensch, aber ohne Abschluss hast du keine Chance. Das war der Wendepunkt.
Seine Ausbildung konnte er in der Best Care-Residenz Am Solmsbach anfangen. "Nachdem ich viele Absagen für einen Ausbildungsplatz erhalten hatte, hat mir Frau Engel-Engelbrecht die Chance gegeben, meine Ausbildung zu beginnen," erzählt Ahmed dankbar.
Sechs Jahre dauerte sein Weg bis zur abgeschlossenen Ausbildung als Pflegefachmann. Heute arbeitet er mit Menschen - ein Beruf, den er liebt.
"Manchmal nervt es natürlich auch", sagt er lachend. "Aber das ist überall so."
Sprache ist der Schlüssel
Deutsch zu lernen war am Anfang schwer. Als Asylbewerber durfte er einen Kurs für Deutsch als Fremdsprache an der Volkshochschule besuchen. Viele Angebote wie heute gab es noch nicht.
Eine Nachbarin, die bei der Diakonie arbeitete, zeigte ihm Anlaufstellen in Wetzlar, vermittelte Kontakte.
"Sprache ist der Zugang zu allem", sagt Ahmed.
"Gerade wenn man Krieg erlebt hat, ist Integration schwer. Aber ohne Sprache geht es nicht."
Helfen, weil er selbst Hilfe bekam
Schon früh engagierte sich Ahmed ehrenamtlich als Übersetzer im Sozialamt - mit einer Mischung aus Deutsch und Englisch. Er reiste bis nach Braunschweig, um bei Übersetzungen zu helfen.
"Und dort war meine heutige Frau", erzählt er strahlend. "Die Liebe findet man überall."
Seine Frau zog 2017 zu Ahmed nach Wetzlar, besuchte Sprachkurse beim Internationalen Bund in Wetzlar. Seit 2020 arbeitet sie dort in der Kinderbetreuung und ermutigt andere Mütter mit Migrationserfahrung, ihren Weg zu gehen. Ahmed möchte etwas zurückgeben. Deshalb engagiert er sich seit 2025 im Verein SOKiS - Somalische Kultur, Integration & Soziales Lahn-Dill-Kreis.
"Viele junge Männer wissen nicht, wie das Leben hier funktioniert", sagt er.
Im Verein geht es um Sport, Beratung, Hilfe bei Formularen oder Rechnungen.
"So wie ich Hilfe bekommen habe, möchte ich heute helfen."
Mitgestalten statt nur mitlaufen
Ahmed ist seit März 2026 Teil des Ausländerbeirats der Stadt Wetzlar.
"Dort kann man etwas bewegen", sagt er überzeugt.
"Integration passiert nicht nur von einer Seite. Auch die Gesellschaft muss offen sein."
Er spricht offen über Alltagsrassismus. Darüber, dass auch seine Töchter ihn erleben.
"Das tut weh."
Gleichzeitig betont er: Begegnung kostet kein Geld. Ein freundliches Wort im Treppenhaus. Ein Gespräch beim Bäcker.
"Integration funktioniert nur von beiden Seiten."
Handeln statt warten
Was bei Ahmed besonders beeindruckt, ist seine Haltung. Schwierigkeiten gehören für ihn dazu - aber sie sind kein Grund, stehen zu bleiben.
Als sein Schulabschluss nicht anerkannt wurde, ging er zur Abendschule.
Als die Bewerbungen erfolglos blieben, schrieb er weiter.
Als er merkte, dass andere Unterstützung brauchen, gründete er einen Verein.
Als er sah, dass politische Entscheidungen wichtig sind, kandidierte er.
Er wartet nicht darauf, dass sich etwas ändert. Er kümmert sich. Er probiert aus. Er fragt nach.
"Wenn du den Willen hast, musst du es versuchen", sagt er. Praktika machen.
Menschen ansprechen. Nachbarn kennenlernen. Reden, reden, reden.
"Schreiben lernst du später. Aber sprechen musst du."
Wenn Ahmed von Wetzlar spricht, klingt das nicht wie Dankbarkeit aus Pflichtgefühl. Es klingt wie jemand, der angekommen ist, weil er selbst viel dafür getan hat.